Jenkins und Baldwin: Pioniere ihrer Zeit | DCM

Nach dem Erfolg von MOONLIGHT widmet sich Barry Jenkins neuer Film dem Roman „Beale Street Blues“ von James Baldwin. Jenkins bezeichnete die progressiven Werke des Schriftstellers als seine „Schule des Lebens“ und es scheint, als zahle sich diese Ausbildung aus. Jenkins und Baldwin sind Pioniere ihrer Generation: Ihre Kunst rückt liebevoll und mitfühlend den Rand der Gesellschaft in den Fokus und konzentriert sich auf Stimmen und Erlebnisse, die so oft vom Thema Literatur und Film verbannt werden.

In dem politischen Klima unserer Zeit ist eine Geschichte wie BEALE STREET heute genauso aktuell und wichtig wie zu der Zeit, als sie geschrieben wurde.

Geboren am 2. August 1924 in Harlem, New York. Aufgewachsen bei seiner alleinerziehenden Mutter Emma Jones, wurde Baldwin, Berichten zufolge, nie darüber aufgeklärt, wer sein biologischer Vater war. Jones heiratete einen Baptisten namens David Baldwin, als James ungefähr drei Jahre alt war.

Viele seiner Arbeiten, wie sein zweiter Roman ,Giovanni’s Room‘, befassen sich mit Themen wie Rassismus und Sexualität.

Schon lange bevor die kulturelle und politische Gleichstellung von Homosexuellen und Schwarzen erkämpft wurde, behandelte Baldwin in seinen Geschichten die Frage der Identität dieser benachteiligten Gruppen und dem damit verbundenem sozialen und psychologischen Druck.

Auch als er in Europa wohnte, kämpfte Baldwin gegen Rassismus in der USA. Er machte sich stark für die Freilassung der Harlem Six, die fälschlich wegen Mordes zu Unrecht verurteilt worden waren, und setzte sich gegen die Festnahme der Aktivistin Angela Davis im Jahr 1970 ein.

Sein Roman ‚Beale Street Blues‘ wurde von dem rassistisch motivierten Kriminalfall einer seiner Bekannten inspiriert.

Wie Baldwin, wurde Jenkins größtenteils von einer alleinerziehenden Mutter aufgezogen. Als er 12 war starb sein Vater, der sich, in dem Glauben, dass Barry nicht sein biologischer Sohn war, schon in früheren Jahren von Jenkins Mutter scheiden lies.

Ähnlich wie Baldwin Pionier in der Literatur war, ist Jenkins ein Vorreiter in der Filmwelt. Er ist der vierte schwarze Regisseur, der für einen Oscar® nominiert wurde. Seine Filme befassen sich mit sozialen Themen wie Gentrifizierung, sexuelle Identität, Rassismus und Gerechtigkeit.

Mit MOONLIGHT hat Jenkins die afro-amerikanische LGBT-Szene in den Mainstream gebracht. Beide seiner letzten Filme beruhten auf Texten schwuler Autoren und er bezeichnet sich selbst als „Verbündeten der LGBT-Gemeinschaft.“

Vor dem Hintergrund der Trump-Epoche, rassistischer Polizeigewalt und Fremdenfeindlichkeit, nicht nur in den USA sondern weltweit, ist sein aktueller Film BEALE STREET, genauso wie sein Vorgänger, aktueller denn je:

BEALE STREET basiert auf dem Bestseller-Roman des preisgekrönten US-Autors James Baldwin und erzählt eine berührende Liebesgeschichte im Amerika der 70er Jahre, in dem Rassismus gegenüber Schwarzen an der Tagesordnung stand. Die 19-jährige Tish und ihr Verlobter Fonny sind ein junges Paar im ärmlichen Viertel Harlem. Fonny wird fälschlicherweise der Vergewaltigung an einer Puerto-Ricanerin beschuldigt und kommt ohne Prozess unschuldig ins Gefängnis. Kurze Zeit später erfährt Tish, dass sie von Fonny ein Kind erwartet. Mit Zuversicht versichert sie ihm, ihn noch vor der Geburt aus dem Gefängnis zu holen. Mit Hilfe der Familie versucht sie mit allen Mitteln seine Unschuld zu beweisen….