Kritiker- und Publikumsliebling in Cannes

Das Debüt des flämischen Regisseurs Lukas Dhont war der Überraschungserfolg bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes. GIRL konnte Jury, Kritiker und Publikum gleichermaßen begeistern und ergatterte demzufolge gleich vier Trophäen.

Darunter die renommierte Auszeichnung Caméra D’Or für den besten ersten Spielfilm (damit ist Dhont der erste flämische Filmemacher, der jemals den Preis gewonnen hat) und die Palme für den besten Hauptdarsteller Victor Polster, welcher mit seiner Performance als Transgender-Mädchen das Publikum überzeugte.

Im Interview gibt Filmemacher Lukas Dhont Einblicke über die Herausforderungen beim Casting und die wahre Geschichte hinter dem Drehbuch über einen Transgender Teenager, der unter allen Umständen seinen Traum als Ballett-Tänzerin verfolgt.

Lukas Dhont über Identität und Geschlecht

Viele Jahre später, als ich gerade mein Filmstudium begonnen hatte, las ich in einer Zeitung einen Artikel über ein junges Mädchen. Es war im Körper eines Jungen geboren, jedoch davon überzeugt,  ein Mädchen zu sein. Auch wenn es aus biologischer Sicht nicht der Fall zu sein schien. Meine Bewunderung für sie war enorm. Ich wollte unbedingt solch eine Figur porträtieren, einen mutigen jungen Menschen, der eine Gesellschaft herausfordert, in der die biologische sowie gesellschaftliche und kulturelle Definition des Begriffs „Geschlecht“ unweigerlich miteinander verknüpft sind.

Das war der Startpunkt für GIRL. Das Bedürfnis, etwas darüber zu sagen, wie wir Geschlecht, Weiblichkeit und Männlichkeit wahrnehmen. In erster Linie geht es jedoch um den inneren Kampf der jungen Protagonistin, die ihren eigenen Körper aufs Spiel setzt, um die Person zu werden, die sie sein möchte. Sie beschließt im Alter von 15 Jahren, sie selbst zu sein. Eine Entscheidung, für die manche andere ein ganzes Leben benötigen.“

Als ich ein Kind war, wollte mein Vater, dass Pfadfinder werde. Alle zwei Wochen setzte er meinen Bruder und mich dort ab, und wir spielten mit den anderen Kindern im Matsch oder gingen zelten. Wir haben es beide gehasst.

Wir wollten lieber schauspielern, singen, und tanzen, weil wir uns dabei besser ausdrücken konnten. Sie können sich denken, wie verwirrend es für uns war, als wir kurz darauf erfuhren, dass dies als feminin galt, als etwas „für Mädchen“. Ich war ein Junge, wie also konnte mir so etwas Spaß machen?Irgendwann ließ ich es sein, weil ich nicht deswegen ausgelacht werden wollte.

JETZT IM KINO

DCM bringt GIRL als Booking&Billing-Titel von Universum in die deutschen Kinos.