Colette: Ein Leben in Zitaten | DCM

Der letzte Film von Wash Westmoreland begleitet das Leben der feministischen Vorreiterin Sidonie-Gabrielle Collette, deren skandalöse Romane die gesamte französische Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts schockierten. Auch nach modernen Standards führte sie ein Leben des Radikalismus: Sie hat sich zweimal scheiden lassen, lebte für ein Jahrzehnt offen als Lesbe, tanzte halb-nackt auf der Bühne und hatte mit fünfzig eine Affäre mit ihrem Stiefsohn im Teenageralter. Vielleicht ist noch wichtiger, dass sie einer Generation junger Frauen eine Stimme gegeben hat, die bis heute nachhallt – Schriftstellerinnen so vielfältig wie Simone de Beauvoir, Doris Lessing und J.K. Rowling wurden von ihr beeinflusst. Der Regisseur erzählt, „ihr eigenes Leben war eine Geschichte für sich, und ich glaube, Geschichten können die Welt verändern –  ihre hat es getan.“

Sidonie-Gabrielle Colette wurde 1873 im burgundischen Dorf Saint Saveur-en-Puisaye geboren. Mit 16 verliebte sie sich in Henry Gauthier-Villars („Willy“) und heirateten kurz darauf – er war 15 Jahre älter als sie. Unter seinem Namen schrieb sie als Ghostwriter ihre halb-autobiografische Romanserie ‚Claudine‘.

Die Romane von Colette waren semi-autobiografisch und erzählten die Geschichte eines eigenwilligen französischen Landmädchens namens Claudine. Sie waren wegen ihrer Darstellungen der Sexualität empörend und besonders bei jungen Frauen in Frankreich beliebt.

Im Jahr 1907 wurde Colettes homosexuelle Beziehung mit ihrer Geliebten Missy – die in ihren Romanen beschrieben wurde – weiter in die Öffentlichkeit getragen. Während einer Show im Moulin Rouge haben die beiden einen Kuss geteilt, der die Polizei auf den Plangerufen hat, diese Darbietung zu beenden und dabei fast einen Aufruhr ausgelöst.

Colette war ebenso eine Modeikone, wie sie eine literarische war. Lange bevor Jean Paul Gaultier Seemannstreifen zum letzten Schrei machte, hat Colette schon den Seemans-chic begründet.

In den 1920er Jahren bestand 87% des Kinopublikums aus Frauen und Colette hatte ein Kino antizipiert, wo die Zuschauer Frauen und Kinder statt Männer waren. Mit ihrem originellen Schreib-Stil begründete sie ihre eigene Sprache der  Filmkritik, und schrieb somit das Kino für Frauen neu.